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Wachstumsverzögerungen als Zeichen chronischer Unterernährung und gleichzeitig Übergewicht und Fettleibigkeit: Autorin und Redakteurin Astrid Prange de Oliveira zeigt auf, warum insbesondere ärmere Länder mit der doppelten Bürde von Fehlernährung kämpfen und warum dies eine entwicklungspolitische Herausforderung ist.
Eigentlich sind im Trend sinkende Hungerzahlen eine Erfolgsgeschichte. Eine Geschichte, die Mut macht und zeigt, dass Fortschritte erreicht und entwicklungspolitische Kooperationen wirksam sein können. Doch es ist auch eine Geschichte, die zeigt, wie schnell mühsam erreichte Erfolge wieder ins Wanken geraten oder gar verschwinden können. Oder wie diese Erfolge von anderen Problemen überlagert und verdrängt werden.
Laut Weltgesundheitsorganisation ist die Anzahl der Menschen, die an Hunger leiden, seit 1990 gesunken. Und damit auch die Anzahl der Erkrankungen und Todesfälle, die mit Hunger und Mangelernährung einhergehen. Doch die Entwicklung ist nicht kontinuierlich. Es gab immer wieder Rückschritte. Neben Hunger und chronischer Unterernährung, die sich bei Kindern in Form von Wachstums-verzögerungen manifestiert, geht es aber auch um Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas).
In den vergangenen 30 Jahren hat sich der Anteil stark übergewichtiger Menschen auf der Welt verdoppelt – unter Kindern und Jugendlichen gar vervierfacht. Erstmals in der Geschichte der Menschheit sind mehr als drei Milliarden Menschen von Übergewicht oder Adipositas betroffen.
Die gleichzeitige Verbreitung von Unterernährung und Übergewicht vor allem in ärmeren Ländern weist auf eine wichtige gemeinsame Ursache hin: Den Menschen fehlt der Zugang zu gesunden Nahrungsmitteln. Mehr noch: Gerade diese Staaten leiden besonders unter der sogenannten doppelten Bürde. Denn die Folgen, unter anderem geschwächtes Immunsystem, Muskelschwund, Bluthochdruck und Diabetes, belasten die bereits angeschlagenen Gesundheitssysteme.
Bislang bleiben die Investitionen in Ernährungsmaßnahmen deutlich hinter den Bedarfen zurück und dass obwohl Ernährungsmaßnahmen eine gute Investition für Regierungen sind:
"Jeder Dollar, der in die Bekämpfung von Unterernährung investiert wird, bringt 23 Dollar Gewinn durch bessere Gesundheitsergebnisse und höhere Produktivität."1
Dabei fing das 21. Jahrhundert so verheißungsvoll an. Sogar Länder mit extrem hohen Armutsraten wie Mosambik, Malawi, Madagaskar, Sambia, Äthiopien, Liberia, Kenia, Nepal oder Kambodscha schafften es, im Zeitraum zwischen 2000 und 2024 den Anteil von Kindern, deren Wachstum beeinträchtigt war, beinahe zu halbieren.
Der Erfolg beruhte auf einem Bündel von Maßnahmen, die je nach Land mit unterschiedlichen Schwerpunkten umgesetzt wurden: Interventionen, die zu höheren Einkommen bei Familien führten, der Ausbau der Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder, soziale Transferprogramme, Schulspeisungen, Förderung landwirtschaftlicher Produktion sowie Ernährungsberatung.
Der Einsatz gegen den Hunger ist fester Bestandteil der 17 Zielen, auf die sich die Weltgemeinschaft 2015 im Rahmen der Agenda 2030 geeinigt hat. Bei der Umsetzung von Maßnahmen wurden die eigenen Bemühungen der Länder von internationalen Gebern unterstützt.
Seit geraumer Zeit ist jedoch beobachtbar, dass die Unterstützung vieler internationaler Geber für Programme im Bereich Ernährungssicherheit nachlassen. Dies trifft viele ärmere Länder besonders hart. Doch nicht nur die internationalen Geber haben ihre Unterstützung mittlerweile verringert, auch in den betroffenen Ländern sind die Rahmenbedingungen zur Erfüllung nationaler Ziele schwieriger geworden.
„Fehlende Finanzierung, mangelnder politischer Wille und wirtschaftliche Instabilität haben den Kampf gegen Hunger und Unterernährung stagnieren lassen“ erklärt Ernährungsexpertin Cecilia Main, die am Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) forscht.
Hinzu kommen externe Schocks wie Dürren und Überschwemmungen, steigende Lebensmittel- und Energiepreise seit dem Ukrainekrieg sowie die Nachwirkungen der Corona-Pandemie. Angesichts der spürbar fortschreitenden Auswirkungen des Klimawandels sind zudem stärkere Investitionen für die Anpassung der Landwirtschaft, unter anderem durch resistenteres Saatgut und soziale Transferprogramme erforderlich.
Die Entwicklungszusammenarbeit, finanziert über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), ist in Malawi weiter präsent. Es unterstützt unter anderem die Regierung dabei, institutionelle Kapazitäten aufzubauen, um die einheimischen Agrar- und Ernährungssysteme besser gegen die Folgen des Klimawandels abzusichern. Das Projekt läuft noch bis 2027.2
Team-Leiterin Vitowe Batch, die das Projekt mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) vor Ort umsetzt, berichtet: “Die Lage verschlechtert sich”. “Die Menschen in städtischen Armutsvierteln haben es gerade sehr schwer.” Die monatlichen Kosten für eine ausgewogene Ernährung pro Haushalt seien zwischen 2021 und 2024 um über 200 Prozent gestiegen.
Die Folge: In Malawi nehmen chronische Unterernährung bei Kindern nun auch in Städten und größeren Gemeinden zu. Laut dem National Demographic Health Survey steigt die Rate seit 2015 kontinuierlich an und liegt mittlerweile fast gleichauf mit den 37 Prozent, die für die ländliche Bevölkerung bei Kindern unter fünf Jahren gilt.
Gleichzeitig jedoch nimmt in Malawi auch Übergewicht bei Kindern zu. Laut einer ZEF-Studie wuchs der Anteil von 1,6 Prozent im Jahr 2017 auf 6,1 Prozent 2024. In städtischen Gebieten war der Anteil (8,1 %) höher als in ländlichen Regionen (5,8 %).3 Zum Vergleich: In Deutschland lag der Anteil der Fünf- bis 19-Jährigen mit starkem Übergewicht 2022 bei 8,5 Prozent. Bei der Bevölkerung ab 18 Jahren sogar bei 20 Prozent.
Malawi fügt sich damit in den globalen Trend ein. Denn Übergewicht und Adipositas nehmen nicht nur in Industrie- und Ölförderländern zu, sondern auch in den ärmsten Ländern der Welt.4 Dies belegt ebenfalls eine Studie des Public-Health-Forscher Majid Ezzati vom Imperial College London, deren Ergebnisse 2024 in der britischen Fachzeitschrift “The Lancet” veröffentlicht wurden.5 Für die Untersuchung wurden weltweit Daten aus 197 Ländern zwischen 1990 und 2022 ausgewertet.
Die Studie klassifiziert starkes Übergewicht als ein weltweites Problem. Die Wissenschaftler verweisen auf einen extrem schnellen Wandel der Ernährungssituation in ärmeren Ländern. Auch in Kenia haben Übergewicht und Fettleibigkeit stark zugenommen. Nach offiziellen Angaben stieg der Anteil der betroffenen Frauen im Alter zwischen 20 und 49 Jahren zwischen 1998 und 2022 von 17 Prozent auf 45 Prozent. “45 Prozent ist eine beeindruckende Zahl”, erklärt Expertin Cecilia Maina. Sie erklärt den Trend mit aggressivem Marketing für ungesunde Lebensmittel in städtischen Gebieten und dem Zeitmangel der städtischen Bevölkerung.
Hier setzt unter anderem die Arbeit der Europäische Kommission (Generaldirektion Internationale Partnerschaften) z.B. durch das Projekt Capacity for Nutrition, an, um eine gesunde Ernährung in Partnerländern zu fördern. Auch kulturelle Faktoren spielen eine Rolle.
“Junkfood wird oft als etwas Modernes angesehen, etwas, was Menschen in westlichen Ländern essen, deshalb wollen die Leute es ausprobieren,” sagt Maina.
Malawi-Projektleiterin Vitowe Batch verweist auch auf den harten Alltag in den Städten: “Die Arbeitsbelastung ist so groß, dass Eltern oft keine Zeit haben, für sich und ihre Kinder gesunde Mahlzeiten vorzubereiten.
Und sie kritisiert, dass gerade entwicklungspolitische Interventionen den Trend zu spät erfasst haben. “Wir haben uns bis jetzt hauptsächlich auf die ländlichen Regionen konzentriert, die Bevölkerung in den städtischen Regionen haben wir vernachlässigt.”
Cecilia Maina bestätigt dies. “Die Regierungen kümmern sich nicht um das Thema Übergewicht, sie konzentrieren sich auf den Kampf gegen Hunger, Auszehrung und Wachstumsverzögerungen,” sagt sie. “Das muss sich ändern.”
1 Der Fachbericht der Weltbank "Investment Framework for Nutrition"
2 Projekt der GIZ "Agrar- und Ernährungssysteme in Malawi fördern und weiterentwickeln"
4 Datenerhebung der WHO "Share of adults who are overweight or obese, 2022"
5 "The Lancet" Bericht "Worldwide trends in underweight and obesity from 1990 to 2022"
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